Nimm dir Zeit zum Brennen,

   es ist eine Quelle des Glücks!

Peter Rüttimann

Inhalt

Brennen ist seine Leidenschaft

Neben der Eingangstüre brennt die Laterne, ein Zeichen, dass Peter Rüttimann am Brennen ist. Es ist gemütlich warm im alten Dörrhäuschen vom Altchilen-Hof in Abtwil. Er hat seine neue Brennanlage eingeheizt und ist dabei, Zwetschgen zu brennen.

Wenn der Brennhafen mit Maische gefüllt ist, dauert es etwa 2 Stunden, bis das Brenngut eine Temperatur von 78°C erreicht hat, und der Alkohol zu verdampfen beginnt. Durch die runden Bullaugen am Brennhafen sieht man die Maische im Innern. Schon bald läuft etwas Flüssiges aus dem Röhrchen, der Alkohol, der sogenannte Vorlauf. Dieser besteht hauptsächlich aus niedrig siedenden Alkoholen wie Methanol und Ethanol. Der 75-jährige Brenner streicht sich immer wieder von dem tröpfelnden Alkohol auf den Handrücken und riecht daran. Die Sensorik ist sein wichtigster Parameter. Der Geschmack auf dem Handrücken ist aussergewöhnlich intensiv und stechend scharf. Den Vorlauf schüttet er weg, denn der ist nicht verwendbar. Immer wieder legt er Holz nach und kontrolliert die verschiedenen Manometer an seiner Brennerei. Bei ungefähr 78°C – 80°C fliesst das Herzstück des Brandes, der duftet fruchtig und ist klar. Es werden nur Früchte von vollreifem Obst aus dem eigenen Betrieb verwendet. Die eigenen Früchte werden sorgfältig geerntet und gewaschen, die Verunreinigungen entfernt und anschliessend eingemaischt. Das Qualitätsdenken steht bei ihm im Vordergrund, denn 80% der Qualität wird beim Einmaischen in die Gärfässer erreicht. Das macht sich bezahlt, wurde doch der innovative Brenner kürzlich an der Ostschweizer-Prämierung für den Löhrpflaumenbrand mit der Höchstpunktzahl (20) mit Gold ausgezeichnet.

„Ich träumte schon seit 50 Jahren von einer eigenen Brennerei, denn das Brennrecht ist auf meinem Bauernhof verbürgt. Doch als Landwirt hatte ich keine Zeit.“ 1984 war es dann soweit. Die alte, vorhandene Brennerei-Vorrichtung konnte nicht mehr gebraucht werden und eine neue wurde angeschafft. Nun konnten die ersten Häfelibrände erzeugt werden. Seine erste Auszeichnung erhielt Peter Rüttimann im Jahre 2001. Von nun an bekamen er und seine Frau Martha für ihre eingereichten Brände diverse Goldmedaillen und Diplome, welche nun die Wände der kleinen Brennerei zieren. „Wir freuen uns riesig darüber, dass uns ausgewiesene Fachleute die sehr gute Qualität bestätigen.“ Beflügelt durch diese Aussage wurde im Jahre 2009 eine grössere, qualitativ bessere Wasserbrennanlage angeschafft. Immer wieder destillieren sie neue Früchte und perfektionieren ihre Brände. Auf der Grundlage von Peter‘s Edelbränden erzeugt Martha die verschiedensten Liköre. Auch diese erhalten immer wieder erstklassige Auszeichnungen für die finessenreichen Geschmäcker. Der Aronia-Likör erhielt an der diesjährigen Prämierung auch die Goldmedaille. Martha‘s Sortimentsliste liest sich wie eine Aufzählung von feinsten Früchten, Wildfrüchten und Beeren. Mehr als 30 verschiedene Destillate können in der Brennerei Rüttimann degustiert und gekauft werden. Martha ist die Kreative im Team. Sie versucht immer wieder, neue Likör-Geschmäcker zu entwickeln. Neue „Schnapsideen“ seien momentan nicht geplant, aber natürlich nur bis dann, wenn Martha wieder etwas Neues, Ausgefallenes in den Sinn kommt.
Etwa 3 Liter hochprozentigen Brand ist die Ausbeute von den rund 100 kg Zwetschgen, die in den Brennhafen eingefüllt wurden. „Dieses Jahr laufen die Früchte nicht so gut, denn das Wetter war schlecht und sie erhielten zu wenig Sonne.“ So die Aussage von Peter Rüttimann. Wenn Früchte nicht gut laufen, bedeutet dies, dass die Ausbeute an Alkohol nicht gross ist. Im Normalfall beträgt die Ausbeute 2 – 6% vom eingefüllten Rohprodukt. Das „Herzstück“, d.h. der edle Fruchtbrand ist nun geflossen. Die ausgebrannte Maische entleert der Brenner. Den Brennhafen spült er mit warmem Wasser aus. Schon ist die Brennanlage für den nächsten Brand bereit. Pro Tag brennt er 1 – 2 Brände.
Der diesjährige Ertrag an reifen Früchten und Beeren ist sehr gering ausgefallen. Es wird dieses Jahr eine geringe Menge, qualitativ hochstehende Schnäpse geben. Besonders der beliebte Williams ist dieses Jahr sehr rar und wird zur Mangelware.